FIFA 11 - Review (PS3)

Der Ball ist rund ! Gilt das auch für FIFA 11 ?

Mit FIFA 10 gelang es den Entwicklern von EA Canada, die langjährige spielerische Vorherrschaft der "Pro Evolution Soccer"-Serie von Konami zu durchbrechen. Da sich der Konkurrent aus Japan mit Pro Evolution Soccer 2011 stärker denn je zurückgemeldet hat, ist EA Sports nun erneut unter Zugzwang. Wir klären in unserem ausführlichen Test, ob die spielerischen Neuerungen von FIFA 11 ausreichen, um die Genrekrone zu verteidigen.

 

Das Spielprinzip:

In FIFA 11 übernehmen sie einmal mehr die sportlichen Geschicke ihres Lieblingsvereines. Mit diesem bestreiten sie Freundschaftsspiele gegen andere Vereine. Zudem haben sie die Möglichkeit mit ihrer Mannschaft an Turnieren teilzunehmen. Alternativ dazu steuern sie im Karrieremodus die langfristige sportliche und wirtschaftliche Entwicklung ihres Vereines. Natürlich können sie in FIFA 11 auch zu Online-Matches antreten. Sogar Freundesligen mit bis zu 32 Mitspielern sind hierbei möglich. Zudem haben sie in FIFA 11 in allen Spielmodi die Option, wahlweise nur einen einzelnen Spieler zu steuern. In der Königsdisziplin "Teamwork" treten sie dabei mit dem Spieler ihrer Wahl in "11 vs. 11"-Matches zu spannenden Partien an. Zudem bietet ihnen das "Virtual Pro"-Feature von FIFA 11 die Gelegenheit, ihr virtuelles Alter Ego zu erschaffen und mit diesem eine veritable Profikarriere zu starten. 

Die Neuheiten:

Die Zweikämpfe sind nun noch realistischerAuch die diesjährige FIFA-Version bietet wieder eine Vielzahl von Neuerungen. Im Mittelpunkt der Innovationen steht dabei das sog. "Persönlichkeit+"-Feature. Ziel dieser Neuerung ist es dabei, die Starspieler des internationalen Fussballs noch realitätsgetreuer abzubilden. Daher verfügen Stars vom Kaliber eines Wayne Rooney oder Christiano Ronaldo nun über zusätzliche Attribute wie "Dribbler", "Spielmacher", "Knipser" oder "Distanzschütze". Die entsprechenden Attribute korrespondieren dabei natürlich mit den Fähigkeitswerten des jeweiligen Spielers. Dank der neuen Attribute lassen sich die Stärken eines Spielers schon auf den ersten Blick erkennen. Das mitunter mühsame Studium der einzelnen Fähigkeitswerte entfällt somit weitgehend. Insbesondere bei Spielertransfers im Karrieremodus von FIFA 11 stellt dieser Umstand eine große Hilfe dar. Die zweite Neuerung in der diesjährigen FIFA-Version betrifft das grundlegend überarbeitete Passsystem. Mit Hilfe des sog. "Pro Passing" können sie jetzt Richtung und Tempo ihrer Pässe noch individueller dosieren. Vorausgesetzt sie deaktivieren in den Optionen die automatischen Passhilfen, so haben sie in FIFA 11 nun die vollständige Kontrolle über das Aufbauspiel ihrer Mannschaft. Im Ergebnis wirken die Pässe realistischer als noch in FIFA 10. Das Aufbauspiel ist durchweg schwieriger zu meistern. Das neue "Pro Passing"-System ist daher zugleich Ausdruck des imannenten Simulationsanspruches von FIFA 11. Es versteht sich von selbst, dass Mittelfeldspieler mit einem hohen Fähigkeitswert in Sachen "Passspiel" ihre Bälle leichter an den Mann bringen, als technisch limitierte Innenverteidiger. Eine weitere Neuerung von FIFA 11 stellt das sog. "360 Grad"-Zweikampfverhalten dar. Dieses kann als konsequente Antwort auf die bereits in FIFA 10 eingeführten "360 Grad"-Dribblings verstanden werden. In FIFA 11 spielt es erstmals in der Seriengeschichte eine gewichtige Rolle, von welcher Seite aus sie einen Zweikampf bestreiten und in welche Richtung sich ihr Verteidiger bewegt. Je nach Spielsituation wird der Offensivspieler dabei in eine andere Richtung abgedrängt. Die "360 Grad"-Zweikämpfe fließen somit als neues taktisches Element in das Steuerungsrepertoire von FIFA 11 ein. Zudem haben die Entwickler von EA Canada auch den Karrieremodus überarbeitet. In diesem können sie fortan als Spieler, Spielertrainer oder Manager ihr Glück versuchen. Dabei haben sie neuerdings auch die Möglichkeit, nach einigen Spielzeiten von der Spieler- in die Managerkarriere zu wechseln. Erstmals in der Seriengeschichte sind zudem die Torhüter spielbar. Der neue "Be A Goalkeeper"-Modus ermöglicht es ihnen dabei, ihre komplette "Be A Pro"-Karriere zwischen den Pfosten zu bestreiten. Damit sind in FIFA 11 sogar "11 vs. 11"-Matches realisierbar. Darüber hinaus können sie in FIFA 11 gelungene Tore als Replays abspeichern. Das entsprechende Tool bietet sogar eine komfortable Schnittfunktion. Mit Manni Breuckmann und Frank Buschmann ist zudem ein neues Kommentatoren-Duo mit an Bord. Des weiteren können sie in FIFA 11 erstmals Musikstücke und Fangesänge ihrer Wahl in das Spielgeschehen einbinden. Abseits dieser neuen Features wartet FIFA 11 zudem mit einigen einschneidenden Veränderungen im Bereich der dynamisch reagierenden KI auf. Zudem wurde die Ballannahme und -abschirmung realistischer gestaltet. Schließlich haben die Entwickler von EA Canada auch die verbesserungswürdige Ballphysik aus FIFA 10 überarbeitet.   

Die Grafik:

Wayne Rooney ist einer der StarspielerHinsichtlich der Grafik stagniert der jüngste Teil der FIFA-Serie weitgehend auf dem hohen Niveau von FIFA 10. Jedoch wurden einzelne Spielermodelle in FIFA 11 weiter optimiert. Dies betrifft insbesondere die im Rahmen von "Persönlichkeit+" erfassten Starspieler. Zudem sorgen zahlreiche neue Animationsphasen für einen noch runderen Spielablauf. Neben den überarbeiteten Torhüter-Animationen fallen hierbei vor allem die Zweikämpfe sowie die neue Ballannahme positiv auf. Grafische Verbesserungen sind mithin überall dort zu verzeichnen, wo zugleich neue Features eingeführt wurden. Mit Blick auf den direkten Konkurrenten aus dem Hause Konami muss jedoch eingeschränkend angemerkt werden, das Pro Evolution Soccer 2011 im Hinblick auf den durchschnittlichen Detailgrad der Spielergesichter noch immer die Nase vorne hat. So ist insbesondere der Wiedererkennungswert der virtuellen Spieler im jüngsten Teil der "Pro Evolution Soccer"-Serie deutlich höher als in FIFA 11. Lediglich die durch "Persönlichkeit+" erfassten Starspieler befinden sich auf Augenhöhe zu den Spielermodellen des japanischen Konkurrenten. Zudem sind auch die Animationen von Pro Evolution Soccer 2011 noch einen Tick besser als im jüngsten Ableger der FIFA-Serie. In anderen Bereichen kann FIFA 11 jedoch einen Punktsieg im Kampf um die Genre-Krone einfahren. Nach wie vor konkurrenzlos sind beispielsweise die originalgetreu nachgebauten Stadien. Allerdings könnte das 3D-Publikum in den virtuellen Arenen von FIFA 11 durchaus noch variantenreicher ausfallen. Demgegenüber sind vor allem die hervorragenden Beleuchtungseffekte lobend zu erwähnen. Insbesondere der dynamische Schattenwurf der Spieler ist ein echter Hingucker.  

Der Sound:

In technischer Hinsicht gibt es an der Soundkulisse von FIFA 11 nicht das Geringste auszusetzen. So erklingt der Sound im jüngsten Teil der FIFA-Serie in feinstem Dolby Digital. Darüber hinaus sorgen authentische Fangesänge für eine gelungene Stadion-Atmosphäre. Zudem werden zu Spielbeginn die Startaufstellungen der Teams in der jeweiligen Landessprache durchgesagt. Schließlich ermöglicht FIFA 11 erstmals in der Seriengeschichte die Einbindung eigener Musikstücke und Fangesänge. Unter dem entsprechenden Menüpunkt können sie einzelnen Spielsituationen (Torerfolg, Sieg, Niederlage etc.) individuelle Tracks aus ihrer Musiksammlung zuordnen. Ferner vermag auch der Soundtrack von FIFA 11 vollauf zu überzeugen. Dank Künstlern wie den Gorillaz, Massive Attack, Groove Armada, LCD Soundsystem oder Linkin Park kommt zu keinem Zeitpunkt akkustsiche Langeweile auf. Demgegenüber sorgt das neue Kommentatoren-Duo Manni Breuckmann (WDR) und Frank Buschmann (Sport1) für einige unfreiwillig komische Momente. So sind die Kommentare stellenweise unlogisch. Während Manni Breuckmann eben noch eine Flanke in den höchsten Tönen lobt, nennt er sie schon im nächsten Atemzug schlichtweg "katastrophal". Zudem stimmt die Abmischung der Kommentare teilweise nicht. In der Folge werden Torchancen immer wieder verspätet kommentiert. Schließlich erweisen sich auch einige Wortspiele der Kommentatoren ("kranker Pass") als zumindest unglücklich. Dennoch hat der Kommentar gegenüber FIFA 10 einen nennenswerten Schritt nach vorne gemacht.  

Die Steuerung:

Die Dribblings wurden überarbeitetHinsichtlich der Steuerung der virtuellen Polygonkicker leistet sich FIFA 11 keine gravierenden Schwächen. Auch im diesjährigen Serienteil ist die Gamepad-Steuerung wieder frei konfigurierbar. Zudem kann der Spieler optionale Pass-, Flanken- und Schusshilfen aktivieren. Die rein manuelle Steuerung dieser Spielkomponenten empfiehlt sich dabei nur für Profis. Generell gilt, dass FIFA 11 dank fünf unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade optimal an das eigene Können angepasst werden kann. Darüber hinaus können sie im "Arena"-Modus an ihren Fähigkeiten arbeiten. Zum gezielten Einstudieren einzelner Spielsituationen bietet sich hingegen der Trainingsmodus an. Leider bietet FIFA 11 kein ausführliches Dribbling-Tutorial. Gerade Einsteiger sind mit der Steuerung der anspruchsvollen "360 Grad"-Dribblings schnell überfordert. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Auswirkung des neuen "Pro Passing"-Systemes auf den Spielfluss von FIFA 11. So ist es im neuesten Serienteil ungleich schwieriger, seine Pässe gezielt an den Mann zu bringen. Die Genauigkeit des einzelnen Passes wird dabei in FIFA 11 sowohl von dem entsprechenden Fähigkeitswert des Passgebers als auch von Richtung und Stärke des Zuspieles beeinflusst. Planvolles Spiel und intuitive Antizipation von Laufwegen gewinnen durch "Pro Passing" somit weiter an Bedeutung. Wo ihre Polygonkicker in FIFA 10 mühelos gelungene Passstaffeten auf den Rasen gezaubert haben, ist in FIFA 11 nun deutlich mehr Konzentration erforderlich, um sich echte Torchancen herauszuspielen. Dieser Umstand resultiert dabei auch aus der verbesserten Gegner-KI. So gehören die eklatanten Abwehrschnitzer aus FIFA 10 ebenso der Vergangenheit an, wie die ziellos im Strafraum umherirrenden Torhüter. Zudem setzen die wuchtigen Innenverteidiger ihren Körper nun noch effektiver ein als im Serienvorgänger. Darüber hinaus haben die Entwickler von EA Canada auch die Anzahl der "Lupfertore" gegenüber FIFA 10 deutlich reduziert. Damit ist jedoch gleichzeitig auch die Anzahl der Chancen im Vergleich zu FIFA 10 zurückgegangen. In der Folge haben die Standardsituationen in FIFA 11 an Bedeutung gewonnen. Da trifft es sich gut, dass der neueste Serienteil über einen eigenen Editor für Standards verfügt. Allerdings ergeben sich die besten Torchancen auch in FIFA 11 immer noch aus flüssigem Kombinationsspiel. Somit rückt die taktische Ausrichtung ihrer Mannschaft weiter in den Mittelpunkt. Dabei sollten sie sich stets am Spielsystem ihres Gegners orientieren. So bietet es sich an, nicht besetzte Flügel zu attackieren oder gezielte Anspiele in die Schnittstellen der Defensive zu versuchen. Zudem sind Doppelpässe ein probates Mittel, um das gegnerische Abwehrbollwerk zu überwinden. Alternativ dazu bieten sich bei offensiven Abwehrformationen auch Pässe in den freien Raum an. In FIFA 11 haben sie außerdem die Möglichkeit, mittels eines umfangreichen Taktik-Editors ein erfolgsversprechended Spielsystem zu erarbeiten. Die entwickelten Taktiken können sie dann bequem auf die Tasten des Digi-Kreuzes legen. So haben sie immer die Möglichkeit, schnell auf veränderte Spielsituationen zu reagieren. Da sich die Gegner-KI dynamisch auf ihre jeweilige Spielweise einstellt, ist jedoch auch die Wahl der richtigen Taktik nur ein Baustein zum Erfolg. Unter dem Strich kommt es in FIFA 11 darauf an, die Defensive des Gegners durch gekonntes Kombinationsspiel auszuhebeln und die sich bietenden Chancen eiskalt zu verwerten. Da dies nicht immer gelingt, hat sich der Schwerpunkt des Spielablaufes in FIFA 11 merklich in das Mittelfeld verlagert. Dadurch spielt sich FIFA 11 etwas behäbiger als der direkte Konkurrent Pro Evolution Soccer 2011. Immerhin halten sich ihre Mitspieler weitgehend zuverlässig an die taktischen Vorgaben und wählen entsprechend kluge Laufwege. Darüber hinaus gibt FIFA 11 dem versierten Spieler einige neue Spezialbewegungen mit auf den Weg. Insbesondere durch schnelle Drehungen bei der Ballannahme lässt sich so mancher Innenverteidiger austricksen. Zudem haben die Entwickler von EA Canada auch schnell ausgeführte Freistöße in FIFA 11 integriert. Bei geschickter Nutzung dieses Features lässt sich oftmals ein Überraschungseffekt erzielen. Wie bereits erwähnt sind in FIFA 11 erstmals in der Seriengeschichte auch die Torhüter spielbar. Deren Steuerung ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, erweist sich auf lange Sicht aber als durchaus gelungen. Es empfiehlt sich dabei zu Beginn ihrer virtuellen Torwartkarriere ("Be A Goalkeeper") die automatische Positionierung zu aktivieren. Ihre Stellung zum Ball wird so zuverlässig optimiert. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich die ungefähre Flugkurve des Balles anzeigen zu lassen. Dies erleichtert das Timing ihrer Paraden nachhaltig. Die typischen Flugparaden werden in FIFA 11 durch den rechten Analogstick ausgelöst. Ferner haben sie die Möglichkeit, ihr Tor zu verlassen, um Ecken abzufangen oder Alleingänge zu unterbinden. Da sie als Torhüter das gesamte Spielfeld vor sich haben, können sie zudem auch taktische Anweisungen ("Pressen", "Passen", "Schießen") geben. Schließlich muss auch die gegenüber FIFA 10 weiter verbesserte Ballphysik erwähnt werden. Insbesondere bei Distanzschüssen macht sich dieser Umstand positiv bemerkbar. Die Fernschüsse senken sich gefährlich ab, nachdem sie den Scheitelpunkt ihrer Flugbahn überschritten haben. Einige traditionelle Kritikpunkte an der FIFA-Serie bleiben jedoch auch in FIFA 11 relevant. So ist insbesondere das Taktik-Menü nach wie vor zu überladen. Wie man es eleganter löst, macht seit Jahren die "Pro Evolution Soccer"-Serie vor. Darüber hinaus ist auch der Spielerwechsel während laufender Partien zu kompliziert gestaltet. Der notwendige Wechsel in das entsprechende Menü unterbricht den Spielfluss nachhaltig. Hier wünschen wir uns für den Nachfolger eine deutlich intuitivere Lösung.    

Die Atmosphäre:

Die Ballphysik ist besser als in FIFA 10Die FIFA-Serie von EA Sports lebt seit jeher von ihrer großartigen Atmosphäre. Während der direkte Konkurrent Pro Evolution Soccer über Jahre hinweg spielerisch die Nase vorne hatte, punkteten die Ableger der FIFA-Serie immer mit einem kompletten Lizenzpaket und nahezu fernsehreifer Präsentation. Auch FIFA 11 macht da keine Ausnahme. So hat EA Sports für seine Simulation 542 Vereine aus 31 Ligen originalgetreu lizenziert. Darüber hinaus sind 39 Nationalteams mit Originalkadern vertreten. Leider fehlen jedoch in dieser Saison die Originaldaten der 3.Liga. Angesichts der in dieser Liga vertretenen Traditionsklubs stellt dies ein echtes Atmosphäre-Manko dar. Über jeden Zweifel erhaben ist dagegen die Präsentation der virtuellen Matches. Insbesondere das "Drumherum" eines Fussball-Wochendes bilden die Entwickler von EA Canada gekonnt ab. Dies beginnt beim Einlauf der Teams ins Stadion und setzt sich mit der Vorstellung der Spieler durch den Stadionsprecher fort. Es folgt die aus realen TV-Übertragungen bekannte Einblendung der Aufstellungen. Bei Länderspielen werden zudem die jeweiligen Nationalhymnen gespielt. Darüber hinaus präsentiert ihnen FIFA 11 erzielte Treffer in effektvollen Wiederholungen. Auch andere spielrelevante Situationen (Chancen, Karten etc.) adelt FIFA 11 durch ein kurzes Replay. Zudem haben sie erstmals in der Seriengeschichte die Möglichkeit, besonders gelungene Tore im sog. "Replay Theatre" zu speichern. Dieses neue Feature bietet auch eine komfortable Schnittfunktion. Ein besonderer Atmosphäre-Bonus sind zudem die unterschiedlichen Wetterbedingungen in FIFA 11. So finden immer wieder Matches bei Regen oder Schnee statt. Die Ballphysik korrespondiert dabei mit den unterschiedlichen Platzbedingungen. Während der Ball auf gefrorenem Winterboden schnell Fahrt aufnimmt, stoppt ein regennasser Platz schon mal den Vortrieb des Balles abrupt ab. Absolutes Highlight in atmosphärischer Hinsicht sind jedoch die sporadisch stattfindenden Flutlichtpartien. Insbesondere in den ebenfalls simulierten europäischen Pokalwettbewerben kommt hier echte "Europacup"-Atmosphäre auf. Darüber hinaus haben die Entwickler von EA Canada viele weitere Kleinigkeiten sehr stimmungsvoll umgesetzt. So ringen etwa erschöpfte Spieler nach langen Sprints erkennbar nach Luft oder ziehen nach harten Fouls kurzfristig ein Bein nach. Auch in Sachen Jubelanimationen kennt die Kreativität der Entwickler kaum Grenzen. Zudem profitiert die Atmosphäre von FIFA 11 vom neuen "Persönlichkeit+"-Feature. Dank dieser innovativen Neuerung verhalten sich die virtuellen Starspieler nun noch realitätsgetreuer. Dies liegt insbesondere an den gekonnt umgesetzten Animationen der typischen Bewegungsabläufe der Stars. Wenn etwa Christiano Ronaldo zum Freistoß antritt, stellt sich unweigerlich ein "Deja Vue" ein. Da die chrakteristischen Fähigkeiten der Starspieler dank der neuen Attribute deutlicher zu Tage treten, verhalten sich die Polygonkicker in FIFA 11 weitgehend wie ihre realen Vorbilder. So lässt sich etwa ein Wayne Rooney gerne hinter die Spitzen zurückfallen, um dann aus der Distanz zu schießen. Zudem helfen die aussagekräftigen Attribute von FIFA 11 ("Dribbler", "Knipser", "Spielmacher", "Taktiker", "Distanzschütze" etc.) dem Spieler dabei, die eigenen Stars sinnvoll einzusetzen. So gewinnen sie mit Shinji Kagawa nahezu jedes Dribbling, während Bastian Schweinsteiger gefährlich aus der Distanz zu schießen vermag. Natürlich haben sie in FIFA 11 auch wieder die Möglichkeit, einen "Virtual Pro" über mehrere Saisons zum Starspieler aufzubauen. Die Verbesserungen ihres "Alter Ego" fasst FIFA 11 dabei in motivierenden Leistungsübersichten zusammen. Dennoch fehlt es der etwas sterilen "Be A Pro"-Karriere auch in diesem Jahr an einer echten Dramaturgie. Dafür kann auch der Liveticker mit seinen Ergebnissen aus der realen Fussballwelt nur ansatzweise entschädigen. Darüber hinaus lässt sich EA Sports auch in dieser Saison die Aktualisierung der Spielerdaten via Online-Service extra bezahlen.         

Der Multiplayer-Modus:

Derby in LondonDer umfangreiche Multiplayer-Modus ist seit Jahren eine der großen Stärken der FIFA-Serie. Wie bei nahezu allen Sportspielen sorgt auch bei FIFA 11 alleine schon der Wettkampfcharakter der jeweiligen Sportart für ein gehöriges Spaßpotential. Was gibt es schließlich schöneres, als mit dem eigenen Lieblingsverein gegen einen Freund zu gewinnen? Dieses Erlebnis bietet ihnen der Multiplayer-Modus von FIFA 11 wahlweise an einer Konsole sowie per LAN oder via des Online-Services von EA Sports. Neben herkömmlichen Matches gegen einen einzelnen Gegner können sie dabei online sogar zu "11 vs. 11"-Matches antreten. Hierbei steuern sie dann einen Spieler ihrer Wahl. Dies kann auch ein von ihnen erstellter "Virtual Pro" sein. Alternativ dazu können sie Online-Ligen mit bis zu 32 Teilnehmern organisieren oder im sog. "Lounge"-Modus spezielle Herausforderungen meistern. Auch in technischer Hinsicht kann der Multiplayer-Modus von FIFA 11 restlos überzeugen. Dafür sorgen insbesondere der integrierte Voice Chat sowie der sehr gute Netzcode.   

Fazit und Gesamtwertung:

Bereits der Vorgänger FIFA 10 war ein herausragendnes Sportspiel. Klugerweise haben die Entwickler von EA Canada mit FIFA 11 auf dieser soliden Basis aufgebaut. Dabei ist EA Sports das Kunststück gelungen, dass Gameplay gegenüber der Vorjahresversion noch einmal zu verbessern. Dies beginnt mit den anschaulichen Spezialattributen von "Persönlichkeit+" und endet mit der überarbeiteten Gegner- und Mitspieler-KI. EA Canada hat damit an den richtigen Stellschrauben gedreht. Das Ergebnis ist ein noch authentischeres Spielerlebnis als in FIFA 10. Allerdings ist der Matchverlauf tendentiell immer noch etwas gleichförmiger als beim Konkurrenten Pro Evolution Soccer 2011. Die Bedeutung der Tempowechsel im modernen Fussball wird von Konami dabei bis dato besser umgesetzt. Dennoch beschreiten die Entwickler von EA Canada mit FIFA 11 konsquent den Weg hin zur Simulation. Darüber hinaus bietet FIFA 11 einen nochmals überarbeiteten Karrieremodus und viele sinnvolle Detailverbesserungen. Für ausreichend Langzeitmotivation sorgt insbesondere der gelungene Multiplayer-Modus. Es bedarf keiner gesonderten Erwähnung, dass auch FIFA 11 wieder ein nahezu komplettes Lizenzpaket bietet. Lediglich die Originaldaten der 3.Liga fehlen.

 

Spielspaßwertung: 90 %

 

Releasedatum: 30.09.2010

 

Technische Daten:

  • Publisher: Electronic Arts
  • Entwickler: EA Canada
  • Videomodi: 720p
  • Installationsgröße: ---
  • Sixaxis-Support: nein
  • USK: ohne Altersbeschränkung